Linda Berger

Tusche-Federzeichnungen
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2021
Galerie Gmünd

Linda Berger, 1980 in Aalen geboren, arbeitete nach ihrem Diplomstudium für Modedesign an der HfG Pforzheim zunächst als Modedesign- Assistentin bei Bogner Jeans in Künzelsau, bevor sie von 2008 bis 2014 an der Universität für angewandte Kunst, Wien, Grafik und Druckgrafik studierte. 2015 war sie als Artist in Residence in den Lichtenberg Studios Berlin, 2018 wurde sie zum Strabag Artaward nominiert.

Linda Berger fokussiert in ihren Arbeiten auf Aspekte des Zeigens und Verbergens. Mit dem Einschreiben, Zusammenballen, Aufschichten unzähliger feiner Federstriche wird eine Leerstelle zum Verschwinden gebracht – nämlich jene des unbearbeiteten, geschichtslosen Zeichengrundes. Die blanke Fläche des Papiers wird zum Handlungsraum und Projektionsort mit, auf und in der der zeitaufwändige, sich oft über Monate erstreckende Bildschöpfungsprozess stattfindet. Das daraus resultierende Werk ist enorm detailliert. Es zeugt von einer zeichnerischen Obsession und konfrontiert uns mit einer bildlichen Verdichtung der künstlerischen Lebens- und Arbeitszeit. Linda Berger zeichnet mit Tusche und Feder, ihre Zeichnung baut sich aus vielen hunderttausenden kleinen Strichen zu einem großen Bild auf. Mal schwarzweiß, mal kunterbunt, immer an der Grenze vom Sichtbaren zum Unsichtbaren, an der Vergeistigung von Materie.

Die filigranen und gleichzeitig dichten Tusche-Federzeichnungen der Künstlerin entstehen über einen längeren Zeitraum hinweg. In meditativen Arbeitsprozessen zeichnet Linda Berger mit der Feder zarte, atmosphärische Gebilde, die aus der Distanz betrachtet die Erinnerung an Landschaften, Insektenschwärme, planetarische Nebel oder auch geologische Fundstücke hervorrufen. Aus der Nähe erkennt man die unzähligen feinen, unterschiedlich farbigen Striche, die mit lockerer Hand intuitiv aus dem Prozess des Zeichnens heraus aufgetragen wurden. Den Arbeitsablauf beschreibt Linda Berger als einen „empirischen Vorgang“ in einer „Laborsituation“. Oft sind es Monate, in denen sie sich, auf großformatigen Papierrollen zeichnend, zu jener Bruchstelle vorarbeitet, in der der individuelle Ausdruck in Abstraktion übergeht und sich die Vorstellung von Gegensätzen wie Mikrokosmos und Makrokosmos gegenseitig aufheben. „Die Zeichnung ist nah und fern zugleich. Direkt vor dem Papier verschwimmen die vielen Schichten zu einer Art flimmernder Malerei. Mit der Zeit entstehen Zustände einer Karte, einem Plan, einer Landschaft, Verdichtungen oder Strukturen einer Auflösung“, so die Künstlerin. Obwohl so gänzlich verschieden, harmonieren ihre Arbeiten farblich und gestalterisch so wunderbar mit den Malereien von Bernard Ammerer und so zeigt die Galerie Gmünd erstmals eine gemeinsame Ausstellung beider Künstler.