Die Künstlerstadt Gmünd in Kärnten zählt zu den bemerkenswertesten Beispielen dafür, wie Kunst und Kultur einen Ort langfristig prägen, beleben und weiterentwickeln können. In der mittelalterlichen Kleinstadt mit rund 2.800 Einwohner:innen entstand seit Beginn der 1990er-Jahre Schritt für Schritt auf private Initiative ein Kulturprogramm, das weit über die Region hinaus wahrgenommen wird: Die Künstlerstadt Gmünd gilt heute als österreichweites Best-Practice-Beispiel für regionale Stadtentwicklung durch kulturelles Engagement.

Ausgangspunkt dieser Entwicklung war die Gründung des Vereins Kulturinitiative Gmünd im Jahr 1991. Unter dem visionären Obmann Heinz Miklautz entstand die Idee, Kunst und Kultur bewusst als Motor für die Stadtentwicklung einzusetzen. Ziel war es, die kleine historische Stadt kulturell zu beleben, neue Perspektiven zu schaffen und Menschen weit über die Ortsgrenzen hinaus nach Gmünd zu bringen. Von Beginn an setzte man dabei konsequent auf zeitgenössische bildende Kunst – zu einer Zeit, als viele ein solches Vorhaben in einer kleinen Stadt fernab urbaner Zentren noch für kaum realisierbar hielten.
Die Entwicklung der Künstlerstadt war dabei nie das Ergebnis eines einzelnen Großprojekts, sondern eines behutsamen, langfristigen Prozesses. Leerstehende Gebäude wurden nach und nach revitalisiert und als Galerien, Werkstätten, Gastateliers oder Ausstellungsorte geöffnet. Heute beherbergen knapp 20 zuvor leerstehende Häuser Kunst und Kultur und prägen das Bild der Altstadt wesentlich mit.
Bereits die erste Ausstellung der 1992 eröffneten „Galerie Gmünd“ setzte ein deutliches Zeichen für den Qualitätsanspruch der Künstlerstadt. Mit Kurt Kocherscheidt konnte einer der bedeutendsten österreichischen Künstler seiner Zeit für die Eröffnungsausstellung gewonnen werden. Schon damals wurde deutlich, dass in Gmünd nicht bloß ein regionales Veranstaltungsprogramm entstehen sollte, sondern ein Ort ernsthafter, zeitgenössischer Kunst mit überregionaler Ausstrahlung.
Der damalige Kulturbericht von Wolfgang Zebedin in der Kleinen Zeitung liest sich wie eine weise Vorausahnung dessen, was in Gmünd noch alles geschehen sollte: „Gmünd ist, wenn es nach dem Willen der aktiven örtlichen Kulturinitiative Gmünd geht, auf dem Weg zu einer Künstler- und Kulturstadt […] Mit der Kocherscheidt-Vernissage beginnt in Gmünd vielleicht eine neue Zeit. Ein Versprechen für die Zukunft ist es allemal.“
Dieses Versprechen für die Zukunft hat die Kulturinitiative Gmünd eindrucksvoll eingelöst: 35 Jahre später bietet Gmünd das umfangreichste Kulturangebot Oberkärntens und gilt längst – weit über die Landesgrenzen hinaus – als österreichweites Best Practice Beispiel für regionale Stadtentwicklung durch kulturelles Engagement.
Heute umfasst das Kulturprogramm der Künstlerstadt rund 100 Veranstaltungen an etwa 260 Veranstaltungstagen pro Jahr und gilt als das dichteste Kulturangebot Oberkärntens. Ausstellungen bildender Kunst, Europäisches Programmkino, Konzerte, Literaturveranstaltungen, Sommerakademiekurse, Workshops und Vermittlungsprogramme bilden gemeinsam ein vielfältiges kulturelles Angebot für unterschiedlichste Zielgruppen. Kunstvermittlung nimmt dabei seit jeher einen zentralen Stellenwert ein. Führungen, Schulprogramme, Kinder- und Familienangebote sowie niederschwellige Vermittlungsformate sollen Kunst und Kultur möglichst vielen Menschen zugänglich machen und kulturelle Teilhabe unabhängig von Alter oder Vorwissen ermöglichen.
Ein wesentlicher Bestandteil der Künstlerstadt sind die internationalen Artist-in-Residence-Programme. Seit 1993 bietet das Gastatelierprogramm internationalen Künstler:innen Arbeitsaufenthalte in Gmünd an. Mittlerweile bestehen fünf internationale Gastatelierprogramme für bildende Kunst, Fotografie, Design, Land Art sowie Video- und Medienkunst. Jährlich arbeiten rund 20 internationale Künstler:innen in Gmünd und bringen neue Perspektiven, kulturellen Austausch und internationale Vernetzung in die Stadt. Gleichzeitig ermöglicht die besondere Situation einer kulturell aktiven Kleinstadt fernab urbaner Zentren intensive Begegnungen zwischen Künstler:innen, Bevölkerung und Besucher:innen. Auch der Mehrwert für die Stadt ist enorm, macht doch der Aufenthalt vieler kreativer Menschen die kleine Stadt weltoffen und international.
Die Entwicklung der Künstlerstadt Gmünd wurde über Jahrzehnte hinweg von einem kleinen, engagierten Team getragen. Von 1996 bis 2025 leitete Dr. Erika Schuster als Geschäftsführerin die Geschicke der Kulturinitiative und entwickelte gemeinsam mit Mitarbeiter:innen, Mitgliedern und zahlreichen Partner:innen die Idee der Künstlerstadt kontinuierlich weiter. Heute steht die Künstlerstadt exemplarisch für eine langfristig gedachte, gemeinwohlorientierte Kulturarbeit, die kulturelle Qualität, regionale Entwicklung und öffentliche Zugänglichkeit miteinander verbindet.
Zahlreiche nationale und internationale Preise und Anerkennungen begleiten diese Entwicklung des Künstlerstadtkonzeptes. Darunter die wichtigsten: Lebenswerteste Gemeinde Kärntens 2010, der Kärnten Tourismus Award 2010, der EDEN Award 2011 - Gmünd als European Destination of Excellence -, der uns auch „auf die europäische Landkarte gesetzt hat“, sowie die Verleihung des Siegels zum Europäischen Kulturerbejahr 2018, um nur einige zu nennen. Dass wir immer wieder zu internationalen Tagungen und Konferenzen, wie etwa dem Forum Alpbach, eingeladen werden, um über die Künstlerstadt Gmünd als Modell für erfolgreiche Kultur- und Stadtentwicklung zu sprechen, verstehen wir als schöne Anerkennung und Wertschätzung einer Entwicklung, die längst weit über die regionalen und nationalen Grenzen hinaus Aufmerksamkeit gefunden hat.
All das lässt uns darüber hinwegsehen, dass es noch immer einige wenige Personen in unserer Stadt gibt, die der Meinung sind, „dass die Leute eh von alleine nach Gmünd kommen“ und man dazu nichts Besonderes zu tun bräuchte. Dieses Unverständnis dafür, was Kunst und Kultur für unsere Gesellschaft, im Speziellen aber für die Stadt Gmünd bedeutet, erstaunt – bringt doch das ehemals von der Kulturinitiative Gmünd und nun von der Künstler:innenstadt Gmünd gemeinnützige Privatstiftung entwickelte Projekt, diese erfolgreiche Marke Künstlerstadt, und der damit verbundene stetig wachsende Kulturtourismus der kleinen Stadt mittlerweile eine Wertschöpfung von rund 8 Millionen Euro pro Jahr, Tendenz steigend.
Mit der Gründung der Künstler:innenstadt Gmünd gemeinnützige Privatstiftung im Jahr 2023 wurde die Entwicklung der Künstlerstadt langfristig abgesichert und strukturell weiter professionalisiert. Die Stiftung verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke, insbesondere die Förderung von Kunst und Kultur sowie deren Zugänglichmachung für die breite Öffentlichkeit. Kunst und Kultur werden in Gmünd dabei ausdrücklich als öffentlicher Auftrag verstanden: als Beitrag zu gesellschaftlicher Teilhabe, Bildung, regionaler Identität und internationalem kulturellen Austausch.
Land Kärnten
Stadtgemeinde Gmünd in Kärnten
Dr. Alfred Markowitsch
Haselsteiner Familien-Privatstiftung
STRABAG SE
Verein Kulturinitiative Gmünd
Privatstiftung Kärntner Sparkasse
Raiffeiesenbank Lieser-Maltatal eG.
Dolomitenbank Osttirol-Westkärnten eG.
Kelag-Kärntner Elektrizitäts-AG
Antonina Betriebs- & Verwaltungs GmbH
Hotel Koller GmbH
Mag. Thomas Fuchs
Heiligen Geist Apotheke Gmünd e.U.
Mag.pharm.Dr.A. Dominik Schantl,
Hubertus-Apotheke e.U.
NPG – Bau Neuschitzer Gesellschaft mbH & Co.KG
Dr. Alfred Ferlitsch
Dr. Hedwig Ferlitsch
Regger Holding GmbH
Familienhotel Post GmbH
Vermessung AVT-ZT-GmbH Millstatt
Landsiedler Gesellschaft mbH
Wolfgang Pirker e.U.
Elisabeth Berndl-Florian
Ing. Fritz Oberlechner
Maria Magdalena Oberlechner
Dkfm. Dr. Ulrich Sichrowsky
Mag. Eva Sichrowsky
Dr. Stefan Schnorpfeil
Hubert Franz Rudiferia
Ing. Mag. Bernhard Seelig
Hubert Kohlmayr e.U.
Maltaholz GmbH
Gasthof Prunner KG
Rudolf Nussbaumer
Mag. Margarete Miklautz
Dipl. Ing. Michael Markart
Ein weiterer Meilenstein für die Künstlerstadt Gmünd war die Eröffnung des Kunsthaus Gmünd im Jahr 2025. In einem sensibel revitalisierten, mehr als 700 Jahre alten Bürgerhaus direkt am Hauptplatz entstand ein modernes, barrierefreies Ausstellungshaus, das historische Architektur mit internationaler moderner und zeitgenössischer Kunst verbindet.
Das Ausstellungsprogramm des Kunsthaus Gmünd führt damit die lange Tradition hochqualitativer Ausstellungen international bedeutender Künstler:innen fort, die über viele Jahre hinweg insbesondere durch die großen Druckgrafikausstellungen im historischen Stadtturm Gmünd geprägt wurde. Mit Präsentationen zu Künstler:innen wie Albrecht Dürer, Francisco de Goya, Henri Matisse, Maria Sibylla Merian, Joan Miró, Marc Chagall oder Pablo Picasso etablierte sich Gmünd in den vergangenen Jahren als außergewöhnlicher Standort für internationale Druckgrafik im ländlichen Raum.
Eröffnet wurde das Kunsthaus Gmünd 2025 mit einer großen Ausstellung zum druckgrafischen Werk von David Hockney. Mit Ausstellungen bedeutender Künstlerpersönlichkeiten setzt das Kunsthaus Gmünd sein Programm konsequent fort und stärkt zugleich den ursprünglichen Leitgedanken der Künstlerstadt: hochwertige Kunst auch außerhalb großer urbaner Zentren für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Kooperationen nehmen für die Entwicklung der Künstlerstadt einen immensen Stellenwert ein. Dazu zählen Kooperationen mit Künstler:innen und kulturellen Institutionen aus Nah und Fern, wie etwa Int. Galerien und Museen oder dem Bundesdenkmalamt, ebenso, wie Kooperationen mit Bildungseinrichtungen, wie (Musik-)Schulen, Fachhochschulen und Universitäten im In- und Ausland, oder mit Gmünds großartiger Freundschaftsstadt Osnabrück.
Unsere vielfältigen Marketingkooperationen – Medienkooperationen mit Zeitung, Film und Fernsehen, mit Reisebuchverlagen, der Österreich Werbung, der Kärnten Werbung sowie den umliegenden Tourismusregionen und Nationalparks – spielen für die erfolgreiche Entwicklung der Künstlerstadt eine große Rolle, ebenso wie die langjährigen Partnerschaften mit dem AMS und Wirtschaftsbetrieben in unserem Land. Hier sei festgehalten, dass rund 50 Groß-, Klein- und Mittelbetriebe aus Gmünd, Kärnten und ganz Österreich unsere Kulturarbeit regelmäßig unterstützen.